Überarbeitung des HiFi-Selbstbau-Hörraums


Als wir unsere Geschäftsräume umgebaut haben, wollten wir uns auch einen möglichst "normalen" Hörraum einrichten und reservierten dafür eine Grundfläche von 6.21 m x 4.43 m, also 27.5 m². In einem ausführlichen Artikel machten wir uns Gedanken um die Position der Lautsprecher und der Hörposition.

Damals erschien uns die Querposition (= Lautsprecher an der langen Seite) viel versprechender. Durch den großen Abstand zu den Seitenwänden ergab sich eine stabile Abbildung in der Breite. Außerdem bekamen wir ordentlich Druck bei 40 Hz "geschenkt", mussten dafür jedoch ein "Loch" bei 80 Hz in Kauf nehmen. Obwohl der Hörabstand recht gering war mussten wir doch im Bassbereich mit selbstgebauten Absorbern die Nachhallzeit reduzieren.

Nachdem wir einige unserer Lautsprecher sowohl in unserem Hörraum als auch bei anderen Leuten gehört haben mussten wir erkennen, dass unser Hörraum offensichtlich doch nicht so normal war wie wir gehofft hatten sondern durch die Aufstellung recht grundtonwarm geraten war. Demzufolge klangen unsere Boxen bei anderen Leuten tendenziell grundtonarm.

Ein weiteres, noch größeres Manko war, dass man nicht - z.B. im Rahmen von Workshops - mit mehreren Leuten gleichzeitig Musik hören konnte. Daher reifte der Entschluss es doch noch einmal mit der Längsaufstellung (= Lautsprecher an der schmalen Seite) zu probieren.

Nach ein wenig Rumschieben mit dem Hunecke Raumakustik-Rechner konnte man durch eine leicht unsymmetrische Aufstellung (ca. 20cm seitlich verschoben) auf allen 6 Plätzen eine ausgewogene Wiedergabe erreichen. Zunächst wurde die Anordnung nur provisorisch geändert. Dabei stellt sich heraus, dass neben den selbstgebauten Bassabsorbern nun auch an den Seitenwänden und an der Rückwand absorbierende Maßnahmen notwendig wurden. Da wir uns an den provisorischen Bassabsorbern satt gesehen hatten wollten wir nun endlich mal eine "schöne" Lösung realisieren nach dem Motto: "wenn schon, denn schon". Zunächst kümmerten wir uns um die Möblierung.

Nach dem LEDE-Prinzip (Live End - Dead End) wollten wir die frühen und energiereichen Reflexionen in der Nähe der Lautsprecher möglichst gut absorbieren (Dead End) während wir die späteren Reflexionen durch Streukörper "entschärfen" wollten (Live-End). Dazu besuchten wir zunächst mal das schwedische Möbelhaus unseres Vertrauens, kauften unserem als Plattenregal dienenden, offenen Raumteiler ein Brüderchen und positionierten beide auf der Rückwand. Indem wir nur jedes 2. Fach mit Platten füllten (und die freien Fächer unregelmäßig mit "Krimskrams") hatten wir uns einen einfachen Diffusor gebaut.

Neben diesen Möbeln gab es nur noch einen kleinen Lack-Beistelltisch mit der Anlage, einen Stuhl am mittleren, vorderen Hörplatz sowie ein Paar Trios auf den vorgesehenen Positionen. Das sollte die Ausgangsbasis (Zustand 02) für die Optimierung der benötigten Absorber sein:

Als weitere Diffusoren waren zwei halbhohe "Billys" sowie zwei schmale aber hohe "Benno" CD-Regale im hinteren Bereich der Seitenwände vorgesehen. Danach sollte der Effekt der diversen Absorber Schritt für Schritt gemessen werden, so dass deren Anteil an der Gesamtwirkung nachvollziehbar war. Insgesamt wurden folgende Zustände vermessen:

ZustandBeschreibung
C02Ausgangszustand, Sideboard hinten rechts befüllt 50%
C03C02 + Billys (leer, Abstand 80cm von Sideboard)
C04C03 + Bennos (leer, Abstand 40 cm von Billy)
C05C04 + 5 Stühle (3 hinter, 1 links/rechts)
C06C05 + Vorhänge links + rechts
C07C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 1x, Ecke nach außen)
C08C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 2x, Ecke nach außen)
C09C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 2x, Ecke nach innen)
C10C08 + 2 Platten an Rückwand (hinter LS)
C11C10 + Eckabsorber hinten links
C12C11 + etwas eingeräumt (Lampen auf Billy, 2. Anlage, XTZ-Boxen, Tangent auf Sideboard etc., Eckabs. hinten rechts
C13C12 + Deckenabsorber + Fächer des Sideboards und der Bennos als Lambda/4-Absorber + Absorber Tür

In jedem Zustand wurde die Nachhallzeit am Hörplatz gemessen, und zwar getrennt für den linken und rechten Lautsprecher (um Unsymmetrien zu erkennen) sowie für beide Lautsprecher gleichzeitig (mit unkorreliertem Rauschen).


Hinweis: Die Erzeugung des Anregungssignals wurde in diesem Artikel (nur für Abonnenten) beschrieben.

Die Anregung war möglichst laut, damit die Nachhallzeit im tieffrequenten Bereich nicht durch Hintergrundgeräusche (vorbeifahrende Autos, Trittschall etc.) beeinflusst werden konnte. Die Antwort wurde einfach als WAV-Datei gespeichert (Aufnahme z.B. mit RecAndSave) und mit dem Programm JustT60 ausgewertet:


Hinweis: Abonnenten erhalten das Programm kostenlos

Die prinzipielle Vorgehensweise hatten wir bereits in einem Extra-Artikel beschrieben. Eine eingeschränkte Demoversion von JustT60 ist verfügbar.

Die in den verschiedenen Zuständen ermittelte Nachhallzeit sieht wie folgt aus:

  • Im Ausgangszustand fällt der Einbruch bei 800 Hz auf. Dieser Effekt wurde schon im Ursprungsartikel nach Einbringen des Teppichbodens beobachtet. Durch den ungleichmäßigen Fliesenboden kommt es offensichtlich zu Hohllagen des Teppichs, der dann als Plattenresonator wirkt.
  • Im Ausgangszustand fällt ein weiterer Einbruch bei 80 bis 100 Hz auf. Das sind die Gipskartonwände (2x12.5mm) in Ständerbauweise - vielen Dank!
  • Die beiden schwarzen Linien markieren den von CARA empfohlenen und vom Raumvolumen abhängigen Toleranzbereich für HiFi-Wiedergabe in Wohnräumen. Im Zustand 12 liegt die Nachhallzeit in weiten Bereichen innerhalb dieses Schlauches, lediglich in der 250 und 315 Hz Terz liegt die Nachhallzeit zu hoch
Um die Kombination von verschiedenen Einzelmaßnahmen zu simulieren (die in dieser Kombination nicht gemessen wurden) muss man statt der Nachhallzeit die äquivalente Absorptionsfläche betrachten. Es gilt:

Nachhallzeit T60 [s] = 0.163 · Volumen V [m³] / Absorptionsfläche A [m²]

Wenn man 2 verschiedene Zustände (z.B. a und b) gemessen hat ist die Änderung der äquivalenten Absorptionsfläche:

Ab - Aa = 0.163 · V · (1/T60b - 1/T60a)

Damit ergeben sich die folgenden äquivalenten Absorptionsflächen für die Einzelmaßnahmen:


Diskussion der Ergebnisse:

ZustandEffekt
C02 -> C03Ausgangszustand, Sideboard hinten rechts befüllt 50%
C03C02 + Billys (leer, Abstand 80cm von Sideboard)
C04C03 + Bennos (leer, Abstand 40 cm von Billy)
C05C04 + 5 Stühle (3 hinter, 1 links/rechts)
C06C05 + Vorhänge links + rechts
C07C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 1x, Ecke nach außen)
C08C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 2x, Ecke nach außen)
C09C06 + Eckabsorber hinter Boxen (je 2x, Ecke nach innen)
C10C08 + 2 Platten an Rückwand (hinter LS)
C11C10 + Eckabsorber hinten links
C12C11 + etwas eingeräumt (Lampen auf Billy, 2. Anlage, XTZ-Boxen, Tangent auf Sideboard etc., Eckabs. hinten rechts
C13C12 + Deckenabsorber + Fächer des Sideboards und der Bennos als Lambda/4-Absorber + Absorber Tür

Und so sieht es jetzt aus:


Zusammenfassung:

Mit JustT60 kann man die Nachhallzeit gut reproduzierbar ermitteln. Das erlaubt die Berechnung der äquivalenten Absorptionsfläche einer Maßnahme. Diese Auswertung ist sehr anschaulich und ermöglicht den direkten Vergleich der Wirksamkeit nach Stärke und Frequenzbereich.

Den von CARA empfohlenen Korridor zu treffen ist gar nicht so einfach. Absorption im Bass- und Grundtonbereich lässt sich nur mit großen Massnahmen erreichen (Gipskarton als Plattenresonator und Schaumstoffblöcke als Grundtonfallen). Dagegen hat man sich schnell eine zu starke Absorption im Hochtonbereich eingefangen, was die Wiedergabe tendenziell "leblos" macht.

Wir haben versucht das LEDE-Prinzip (Live End - Dead End) umzusetzen. Dank der gut absorbierenden Vorhänge ist die räumliche Abbildung in der Breite trotz der Nähe der Lautsprecher zu den Seitenwänden sehr stabil. Sobald man sie wegnimmt fällt es deutlich schwerer außermittige Ereignisse stabil zu orten. Eine ähnliche Wirkung haben die Deckenabsorber sowie die Absorber an der Rückwand.

Die akustische Optmierung unseres Hörraums hat sich gelohnt! Durch den geschickten Einsatz von Möbeln (Sideboard als Diffusor , Billy als Plattenresonator etc.) sowie "Absorptionsmaterial" (z.B. Vorhänge) konnte die Investition für die eigentlichen Basotect Absorber relativ gering ausfallen. Der Unterschied zwischen dem "nackten" Raum (immerhin mit Teppichboden) und dem Endzustand ist unglaublich! Auch gegenüber unserem alten Hörraum haben wir eine Verbesserung erzielt. Und gut aussehen tut es auch noch!

Unserer Meinung nach macht es erst auf dem jetzigen Niveau Sinn sich mit Feinheiten wie Kabelklang, Basen oder anderen "esoterischen" Dingen zu beschäftigen. Zunächst sollte man sein Geld auf JEDEN Fall in eine gute Raumakustik anlegen . . .

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