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Hochinteressanter All-In-One-DSP-Verstärker aus den USA - ACOUSTAS AC650DSP (Teil 2)

Im 1. Teil unseres Tests haben wir uns auf die Eigenschaften der Kombination aus ACOUSTAS AC650DSP + AirDSP konzentriert und ihn mit den Geräten verglichen, die dem DIYler in den letzten 20 Jahren für die Aktivierung von Lautsprechern zur Verfügung standen.

Im 2. Teil möchten wir schildern wie wir einen 3-Wege-Monitor-Lautsprecher mithilfe des AC650DSP aktiviert und auf den Hörplatz eingemessen haben. Dabei haben wir auch das FIR-Feature "Linearizer" eingesetzt und das Ergebnis subjektiv und objektiv mit Dirac Live Room Correction verglichen.

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Cologne Listening Center - CLC

Messungen:

In unserem Artikel Das RTA Modul von REW haben wir unsere Vorgehensweise bei der Einmessung von Lautsprechern am Hörplatz bereits einmal ausführlich dokumentiert:

  • Es wird jeweils das Chassis der linken Box und der rechten Box einzeln sowie beider Boxen zusammen (mit 3 dB geringerer Anregung) am Hörplatz gemessen; bei einer 3-Wege-Box müssen so insgesamt 9 Wedelmessungen gemacht werden
  • Bei einigermaßen symmetrischer Aufstellung im Raum sollte sich - zumindest im Mittel- und Hochtonbereich - nur links, nur rechts und mit beiden Boxen ein weitgehend gleicher Frequenzgang ergeben -> dann wird mit dem Messergebnis mit beiden Boxen weitergearbeitet
  • Sind die 3 Messungen links, rechts und beide Boxen zu unterschiedlich (was im Bassbereich bei unsymmetrischer Aufstellung häufig passiert), dann wird zunächst die eine grob an die andere Box angepasst, dann beide Boxen gemessen und mit diesem Messergebnis weitergearbeitet
  • basierend auf diesen Wedelmessungen am Hörplatz und Hintergrundinformationen zum Chassis (Bündelungsverhalten, Klirrfaktor etc.) wird für jedes Chassis eine akustische Zielfunktion festgelegt. Bei 3-Wege-Systemen bevorzugen wir dabei einen Filterverlauf nach Linkwitz-Riley mit 24 dB/Oktave, damit die Überlappungsbereiche nicht zu breit werden
  • Am Hörplatz bevorzugen wir einen gleichmäßig mit 0.3 dB/Terz bzw. 0.9 dB/Oktave bzw. 3 dB/Dekade abfallenden Frequenzgang
  • Das Mikrofon ist bei den Wedelmessungen nach vorne gerichtet, es wird die 0° Korrekturkurve genutzt

Warum wir so vorgehen und welche physikalische und psychoakustische Effekte berücksichtigt werden erläutern wir Ihnen sehr gerne detailliert in einem unserer Aktivierungs-Workshops.

Und so sehen die Messungen dann aus:

Bei angedachten Trennfrequenzen von 400 Hz und 2.5 kHz liegen die Messungen nur links (L) / nur rechts (R) / beide -3 dB (LR) beim Hoch- und Mitteltöner recht gut beisammen, so dass mit der LR-Kurve weitergearbeitet werden kann. Im Bassbereich gibt es wegen der leicht unsymmetrischen Aufstellung im Raum zwar Unterschiede insbesondere im Bereich 60 bis 150 Hz, dennoch wird auch hier (der Einfachheit halber) mit der LR-Kurve weitergearbeitet.

 

Simulation:

Da die Messergebnisse in REW zur Verfügung stehen kann man im EQ-Modus nun "virtuelle" Korrekturen vornehmen. Dazu gibt man sich am besten für jeden Zweig (Tieftöner=TT, Mitteltöner=MT, Hochtöner=HT) eine akustische Zielfunktion (engl.: Target) vor . . .

. . . und verändert die Einstellungen unter EQ-Filters so lange,

. . . bis das vorhergesagte Ergebnis ("Predicted") mit der Zielfunktion ("Target") übereinstimmt. Dabei betrachtet man nicht nur den Nutzbereich (also z.B. 400 Hz bis 2.5 kHz beim Mitteltöner), sondern auch die abfallenden Flanken bis ca. 20 dB unter dem Nutzpegel. Und so sieht das dann für unseren 3-Wege-Monitor-Lautsprecher aus:

Die akustischen Zielfunktionen waren:

 

Chassis Hochpass Tiefpass Pegel
Tiefton 35 Hz, Butterworth 24 dB/Oktave 400 Hz, Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave 85.0 dB
Mittelton 400 Hz, Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave 2.5 kHz, Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave 89.5 dB
Hochton 2.5 kHz, Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave - 85.0 dB

ACHTUNG: der unterschiedliche Pegel der einzelnen Chassis muss durch eine unterschiedliche Verstärkung im Zielgerät erreicht werden. Im obigen Fall haben Tief- und Hochtöner dieselbe Verstärkung, der Mitteltöner muss demgegenüber um 4.5 dB abgesenkt werden, da er ja für eine 4.5 dB höhere Zielkurve optimiert wurde!

 

Übertragung der Simulationsergebnisse auf die Ziel-Hardware:

Wenn man mit dem vorhergesagten Ergebnis ("Predicted") zufrieden ist muss man die gefundenen Werte in die Hardware übertragen. Bei vielen DSP-Systemen (z.B. auch HYPEX FusionAmp) ist dann Handarbeit angesagt. Dabei muss man immer zwischen der Mess-/Simulations-Software REW und der Einstellsoftware der Hardware hin- und herwechseln und hochkonzentriert arbeiten, damit keine Übertragungsfehler passieren - immerhin müssen pro Zweig bis zu 15 Wertepaare aus Frequenz, Gain und Güte eingegeben und dann kontrolliert werden. Das ist bei unseren Aktivierungs-Workshops immer der Zeitpunkt, wo die Teilnehmer 1/2 Stunde Kaffeepause machen müssen (weil ich beim Übertragen meine Ruhe brauche) . . . ;-)

Viel schneller und weniger fehleranfällig wäre es doch, wenn man die Werte aus REW exportieren und dann die gefundenen EQ-Einstellungen in die Einstellsoftware der Hardware importieren könnte . . .

Bei der Kombination aus AC650DSP und AirDSP funktioniert genau das! Dazu muss man zunächst im EQ-Modul die gefundenen Einstellungen unter "Filter task" / "Export filter settings as text" als Textdatei speichern.

Diese Datei kann dann in der Software AirDSP im Bereich des 15-Band-EQ importiert werden (4 Icons in der oberen rechten Ecke) - so entfällt die lästige und fehlerintensive manuelle Eingabe der Werte (davon sollte sich die HYPEX-Software mal eine Scheibe abschneiden) ;-)

Diese virtuelle Korrektur in REW und der anschließende Import-Vorgang in AirDSP muss für jeden Weg einmal durchlaufen werden. Wenn beide Lautsprecher gleich entzerrt werden, können dann die Einstellungen in AirDSP von einem Kanal (z.B. Tieftöner links) auf den "anderen" Kanal (also Tieftöner rechts) kopiert werden (s.u.). Wenn man die Chassis der linken bzw. rechten Box unterschiedlich entzerrt hat fallen zusätzliche Export-/Import-Vorgänge an.

Dabei werden vom Generic-EQ in REW aber nur bis zu 15 EQ-Einstellungen eingelesen, NICHT die Filtereinstellungen - die muss man dann doch noch von Hand übertragen :-(. Das sind bei einem 3-Wege-System aber nur 4 Werte (Tiefpass Tieftöner, Hoch- und Tiefpass Mitteltöner und Hochpass Hochtöner) ;-).

Soweit die Theorie! Bevor es an den Praxistest geht muss natürlich erst mal gecheckt werden, ob der DSP des AC650DSP "richtig" bzw. "wie erwartet" funktioniert. Da es zum Zeitpunkt der Messungen noch keinen eigenen AirDSP-EQ in REW gab (der ist ab REW V5.40 beta 134 verfügbar) nutzen wir vorzugsweise den Generic EQ - diese Vorgehensweise wird auch von ACOUSTAS empfohlen. Der Generic EQ hat allerdings "andere" Einstellmöglichkeiten:

Da stellt sich die Frage:
- wie heißen die in AirDSP verfügbaren Einstellungen in REW?
- und verhalten sie sich auch gleich?

Die Übersetzungstabelle der Namen ist noch relativ einfach:

 

Bezeichnung AirDSP Bezeichnung REW Anmerkung
Low Shelf LS Q  
Peaking PK  
High Shelf HS Q  
AllPass 1st   gibt es in REW nicht
AllPass 2nd All pass  
Low Pass 1st LP1  
High Pass 1st HP1  
Low Pass Q LP Q  
High Pass Q HP Q  

Die Trennfrequenzen und Filtercharakteristiken werden im Generic EQ in den Feldern X1 und X2 eingegeben. Diese Werte werden zwar exportiert, aber AirDSP kann sie nicht importieren, da die Importfunktion auf den 15-Band-EQ beschränkt ist (in V1.2.14+40).

Zahlreiche Möglichkeiten des REW Generic EQ gibt es in AirDSP so nicht - diese Möglichkeiten darf man also im Generic-EQ von REW für die virtuelle Korrektur nicht benutzen, wenn man die in REW gefundenen Einstellungen in AirDSP importieren will!!! Außerdem stehen in AirDSP "nur" 15 EQs zur Verfügung, während der Generic EQ in REW 20 EQs erlaubt. Man muss auch immer darauf achten, dass die in AirDSP erlaubten maximalen bzw. minimalen Eingabewerte für Frequenz, Güte und Gain nicht überschritten werden - sonst klappt es mit dem Einlesen der exportierten Werte in AirDSP nicht! Mittlerweile ist der AirDSP-EQ in REW verfügbar (seit REW V5.40 beta 134), dann sollte man natürlich den nehmen - dann muss man sich um solche "Kleinigkeiten" nicht mehr kümmern . . .

 

Übertragbarkeit von DSP-Einstellungen bei verschiedenen DSP-Systemen

Wenn man in REW im EQ-Modul einen EQ auswählen will fragt man sich unwillkürlich: "warum gibt es denn so viele? Sind die nicht alle gleich?"

Neben der unterschiedlichen Interpretation bei den Bessel-Filtern kommt es auch bei den Shelving-Filtern bei verschiedenen DSP-Systemen zu verschiedenen Interpretationen: dort ist z.B. oft bei der angegebenen Frequenz nicht die Hälfte des eingegebenen Gains (MidPoint-Gain) erreicht - und damit verhält sich der Shelving-Filter anders als "gedacht".

Außerdem stellen unterschiedliche DSP-System unterschiedlich viele EQs mit unterschiedlichen Einstellbereichen und ggf. unterschiedlichen Funktionen zur Verfügung.

Und selbst der eigentlich einfache PEQ wird bei verschiedenen DSP-Systemen unterschiedlich interpretiert: Gain und Frequenz passen zwar, aber bei der Güte gibt es unterschiedliche Interpretationen - und damit verhält sich der PEQ anders als "gedacht" (s.u.).

Schließlich gibt es noch den Einfluss der Abtastfrequenz - z.B. bei PEQs nahe der halben Abtastfrequenz (= Nyquist-Frequenz). Hier wird der gemessene bzw. simulierte Frequenzgang eines PEQ bei 16 kHz mit 10 dB Anhebung und einer Güte von 5 bei verschiedenen Abtastraten gezeigt:


- Messung (grau) und REW-Simulation (blau, 48 kHz) stimmen überein und zeigen einen deutlich schmaleren Verlauf als bei 96 kHz (blau gestrichelt) bzw. im Idealfall (rot)

Hinweis: Die Simulation des AC650 zeigte in Version 1.2.14+37 noch den idealen Verlauf (ohne Berücksichtigung der internen Abtastfrequenz);
ab Version 1.2.14+40 wird die aktuelle interne Abtastfrequenz berücksichtigt

⇒ im Normalfall können die Einstellungen nicht ohne weitere Prüfungen übertragen werden!

Wir haben die in AirDSP simulierten Frequenzgänge mit den von REW simulierten Frequenzgängen verglichen. Dabei kam uns ein sehr hilfreiches Feature zu Gute: bei AirDSP kann der simulierte Frequenzgang optional als CSV-Datei (= Comma Separated Values) abgespeichert werden.

Auch REW erlaubt den Export von Messungen - man muss "nur" vorher im EQ-Modul im Tab "Filter Tasks" (s.o.) über die Option "Generate measurement from filter" aus dem simulierten Filter eine Messung machen ;-)

So haben wir die obige Übersetzungstabelle REW/Generic EQ <-> AirDSP Stück für Stück abgearbeitet und bei den aufgeführten Punkten perfekte Übereinstimmung gefunden. Teilweise haben wir uns auch nicht nur auf die Simulationen verlassen, sondern haben den Verlauf auch nachgemessen (s.o.). Damit ist die Voraussetzung geschaffen, dass wir darauf vertrauen können, dass der in REW vorhergesagte Frequenzgang ("Predicted") nach Anwendung der gefundenen Filter- und EQ-Einstellungen in AirDSP bzw. AC650DSP nachher auch der Nachmessung entspricht.

Denn was nutzt eine Simulation, wenn nachher bei der Messung doch etwas Anderes rauskommt?!?

Hier also nun der Vergleich zwischen Simulation in REW (Generic-EQ, blaue Kurve) und der Simulation in AirDSP (rote Kurve) und der Messung (grüne Kurve):

-> alle 3 Kurven liegen perfekt übereinander, der Spannungsverlauf am AC650DSP verhält sich genauso wie die Simulation in REW :-)

So hätte die Simulation des Frequenzgangs am Hörplatz übrigens ausgesehen, wenn man die Werte des Generic EQ 1:1 auf den HYPEX FusionAmp übertragen hätte (linkes Bild; rechts noch einmal zum Vergleich die Simulation für den AC650DSP):

-> insbesondere im Bassbereich mit den starken Korrekturen deutliche Unterschiede, aber auch im Hochtonbereich (Einfluss der höheren Abtastfrequenz)

 

Messungen am Hörplatz (V1):

Nachdem der gemessene Spannungsverlauf so perfekt der Simulation entsprach sollte auch der Frequenzgang am Hörplatz der Simulation entsprechen. Hier mal der Gesamtfrequenzgang und die einzelnen Zweige bei gleichzeitiger Anregung beider Lautsprecher (LR):


- der Gesamtfrequenzgang (schwarze Kurve) folgt sehr schön der Zielkurve (magenta)
- die Überlagerung bei den Trennfrequenzen 400 Hz und 2.5 kHz ist gut


- auch die einzelnen Zweige (Tiefton = TT, Mittelton = MT und Hochton = HT) folgen sehr schön der Zielfunktion - wie in der Simulation!

 

Mikrofon-Kalibrierung:

Es ist ja schön, wenn die Messkurve der Simulation entspricht - aber entspricht die Messkurve auch der Realität? Denn alle Messmikrofone sind mehr oder weniger fehlerbehaftet und messen mehr oder weniger falsch. Dafür gibt es zum Glück - natürlich individuelle - Korrekturkurven, die man in der Messsoftware laden kann und die dann den individuellen Fehler des Messmikrofons korrigiert.

Aber wie sieht es mit der Qualität der Korrekturkurven aus? Wir haben in den letzten 20 Jahren über 4000 Messmikrofone kalibriert (s. 1000 Mikrofonkalibrierungen - eine Übersicht), davon einige mehrmals, weil uns die Kunden gebeten haben ihr Mikrofon z.B. nach einem Sturz zu überprüfen. Von diesen über 4000 Mikrofonen waren über 700 vom Typ miniDSP UMIK-1 mit einer vom Hersteller mitgelieferten Korrekturkurve. Daher lag es nahe bei diesem Typ die Abweichungen unserer Korrekturkurve von der Korrekturkurve des Herstellers zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Analyse können Sie im Artikel Vergleich der Kalibrierspektren vom miniDSP UMIK1 nachlesen - und sie werfen ein zwiespältiges Licht auf die Qualität der Korrekturkurven von miniDSP . . .

 

Bestimmung des Zeitversatzes (engl.: Time Delay):

Bei der Wedelmessung am Hörplatz findet eine energetische Mittelung statt, bei der die Phaseninformation leider verloren geht. Bei einem Linkwitz-Riley-Filter ist der Pegel bei der Trennfrequenz um 6 dB abgefallen - es ist für einen linearen Summenfrequenzgang also eine "perfekte" Addition der Zweige nötig (merke: zwei Signale mit gleicher Amplitude und ergeben zusammen nur dann einen 6 dB höheren Summenpegel, wenn sie die gleiche Phase haben). Dies kann man sich zunutze machen:
- man variiert das Time-Delay zwischen 2 Zweigen und überprüft, ob sich der Summenpegel erhöht oder reduziert
- das Time-Delay mit dem höchsten Summenpegel ist das "richtige" Time-Delay, weil es für gleiche Phasenlage sorgt

Wie man hier möglichst effizient vorgeht verraten wir Ihnen gerne in einem unserer Aktivierungs-Workshops.

Hier ein paar Messergebnisse zum Zeitversatz zwischen MT und HT (links Verzögerung HT, rechts Verzögerung MT):


- höchster Summenpegel bei Zeitversatz 0 mm zwischen MT und HT (schwarze Kurve)
- maximaler Einbruch bei Verpolung eines Chassis

Auch zwischen TT und MT konnte der Summenpegel durch Einführen einen Zeitversatzes nicht erhöht werden. Somit blieb der Zeitversatz bei 0 ms für alle 3 Zweige - dank des "tiefergelegten" Hochtöners mit Schallführung.

 

Subjektive Beurteilung:

Aber was helfen schöne Messkurven, wenn es nachher nicht gut klingt? Nun, da der Frequenzgang unserer bevorzugten Zielkurve folgt klingt der Lautsprecher auch so, wie wir es bevorzugen - zumindest von der Klangbalance her, denn mehr sagt der Frequenzgang alleine eigentlich nicht aus. Durch das Feintuning des Zeitversatzes wissen wir aber auch, dass das Timing zwischen den Chassis stimmt. Und durch die sorgfältige Auswahl der Chassis (z.B. Hochtöner mit Schallführung), deren Anordnung auf der Schallwand (Hochtöner unter Mitteltöner) und der Trennfrequenzen haben wir auch sichergestellt, dass es keine größeren Einbrüche im Rundstrahlverhalten gibt. Zusammen mit der akustischen Gestaltung unseres Hörraums und der Ausrichtung der Lautsprecher auf den Hörplatz erreichen wir so ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Direktschall und Reflexionen.

Wir verwenden diesen Lautsprecher immer für unsere Aktivierungs-Workshops, und nach Aktivierung mit dem ACOUSTAS AC650DSP klingt er genau so wie wir es von anderen DSP-Systemen kennen - nur dass die Einmessung mit dem Duo AC650DSP und AirDSP deutlich "flüssiger" läuft als z.B. mit den HYPEX FusionAmps! Diese leiden deutlich unter der hakelig zu bedienenden Software Hypex Frequency Designer (kurz: HFD), die z.B. keinen Import der Simulationsergebnisse von REW erlaubt und eine komplizierte Umrechnung der Güten für die PEQs braucht (s.o.). Außerdem nervt, dass man immer nur mit einem FusionAmp "reden" kann und so immer das USB-Kabel ein- / aus- und umstecken muss - grrrr.

Einzig der etwas "runde" Bass ist uns aufgefallen - den kennen wir von den HYPEX FusionAmps etwas "straffer". Aber da kann man natürlich mit externen Endstufen am Cinch-Ausgang experimentieren oder das System im Bassbereich doch eher kanalweise auf die Zielkurve entzerren.

Ob dieser Lautsprecher mit dieser Abstimmung auch anderen gefällt hängt natürlich auch davon ab, auf welche Zielkurve man optimiert (s. Aspekte zur Zielkurvengestaltung eines DRC-Systems). Andere Leute mögen andere Zielkurven bevorzugen, ggf. auch abhängig von der bevorzugten Musikrichtung.

Aber genau da spielt die Klangregelung des ACOUSTAS AC650DSP ihre Stärken aus: hier kann man "sanft" an der Neigung der Kurve und der Balance zwischen Bässen, Mitten und Höhen drehen und sich so die eigene Zielkurve "erarbeiten" ohne an der grundlegenden Abstimmung etwas ändern zu müssen.

 

Linearisierung des Phasenverlaufs:

Eine mögliche Verbesserung des leicht "rund" klingenden Tieftonbereichs wäre eventuell auch durch die Linearisierung des Phasenverlaufs möglich. Diese Linearisierung ist mit AirDSP besonders leicht zu bewerkstelligen, wenn man im FIR Builder die Option "Linearizer" wählt.

Allerdings darf man dort nicht die aktuell gewählte ELEKTRISCHE Filterfunktion korrigieren, sondern die AKUSTISCHE Zielfunktion. Dazu:
- verändert man temporär die elektrischen Trennfrequenzen und Filtercharakteristiken zu den akustischen (s.u.),
- exportiert die FIR-Koeffizienten in eine Textdatei,
- importiert diese sogleich wieder
- und setzt die akustischen Trennfrequenzen und Filtercharakteristiken wieder auf die elektrischen Werte zurück.

Hier ist der Vergleich der elektrischen und akustischen Filterfunktionen:

 

Zweig Hochpass-Filter (elektrisch) Hochpass-Filter (akustisch) Tiefpass-Filter (elektrisch) Tiefpass-Filter (akustisch)
Tiefton Butterworth 12 dB/Oktave bei 30 Hz Butterworth 36 dB/Oktave bei 35 Hz (Theorie) Butterworth 18 dB/Oktave bei 350 Hz Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave bei 400 Hz
Mittelton Butterworth 18 dB/Oktave bei 450 Hz Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave bei 400 Hz Butterworth 18 dB/Oktave bei 2200 Hz Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave bei 2500 Hz
Hochton Linkwitz-Riley 12 dB/Oktave bei 4800 Hz Linkwitz-Riley 24 dB/Oktave bei 2500 Hz - -

Und so sehen die FIR-Koeffizienten (= Impulsantwort) dann aus:


- wie sie sehen sehen sie nix!

Und so sehen sie aus, wenn man den Absolutwert der Koeffizienten in dB darstellt:

- die FIR-Koeffizienten für den Hochtöner (Hochpass Linkwitz-Riley mit 24 dB/Oktave bei 2.5 kHz) klingen schnell ab
- die FIR-Koeffizienten für Tief- und Mitteltöner sind am Anfang und Ende noch nicht auf 0 abgefallen

Hier merkt man, dass die zur Verfügung stehenden 1500 Taps/Kanal für einen Filter bei 400 Hz offenbar nicht ausreichen. Bei einer Abtastrate von 48000 Hz entsprechen 1500 Taps einer Frequenzauflösung von 48000/1500 = 32 Hz - und das ist schon grenzwertig um den genauen Amplituden- bzw. Phasenverlauf nachzubilden. Bei der akustischen (Hochpass-) Filterfunktion des Tieftöners (Butterworth 36 dB/Oktave bei 35 Hz) funktionierte das daher auch überhaupt nicht, so dass wir deren Einfluss auf das akustische Phasenverhalten nicht korrigiert haben.

Der Frequenzgang eines Hochpassfilters mit Linkwitz-Riley Charakteristik, einer Filtersteilheit von 24 dB/Oktave und einer Grenzfrequenz von 2.5 kHz (kurz: HP2500LR24) sieht so aus:

Und so sieht der Frequenzgang der Impulsantwort des FIR-Linearizers für den obigen Hochpass aus:

Man sieht, dass die mithilfe des FIR-Linearizers exportierte Impulsantwort die Amplitude nicht verändert (überall 0 dB), aber die Phase genau gegenläufig zur Phase des Hochpassfilters dreht. Damit ergibt sich ein Filter, dass den gewünschten Amplitudenverlauf hat, aber überall die Phase 0.

Soweit die Theorie. Aber wie sieht dann die Sprungantwort ohne und mit Linearizer aus? In ca. 70 cm Abstand von der rechten Box sieht es so aus:

Oben (rote Kurve) sieht man den typischen Verlauf der Sprungantwort eines 3-Wege-Systems:
- zunächst die schmale Spitze der Sprungantwort des Hochtöners
- dann die etwas breitere Spitze der Sprungantwort des Mitteltöners nach ca. 0.24 ms
- und schließlich die breite Überhöhung der Sprungantwort des Tieftöners nach ca. 1.78 ms

Unten (grüne Kurve) sieht man eine fast perfekte Sprungantwort, die kontinuierlich leicht abfällt, da der Lautsprecher im Hörraum keinen Gleichdruck produzieren kann.

Dieses Verhalten sieht man übrigens auch am Hörplatz - wie die Messungen mit Dirac Live zeigen. Zunächst der gewichtete Frequenzgang am Hörplatz:

Bei den Impulsantworten ist oben immer die gemessene Impulsantwort zu sehen, unten wird die simulierte Impulsantwort mit Dirac-Live-Korrektur gezeigt. Zunächst die Impulsantworten ohne FIR-Linearizer:

Und jetzt mit FIR-Linearizer:

-> bei der Messung mit FIR-Linearizer ist kaum eine Veränderung bzw. Verbesserung durch Dirac Live zu erkennen!

Und wie hört sich das mit FIR-Linearizer an? Obwohl die Sprungantwort um Welten besser aussieht ist der hörbare Unterschied eher subtil. Bei vielen Stücken waren die Unterschiede sehr gering und führten zu keiner eindeutigen Bevorzugung einer Variante. Bei elektronischer Musik waren die Unterschiede zum Teil deutlicher hörbar (z.B. Franceen Thirteen / Queen Mary), hier wurde die Variante mit FIR-Linearizer dann auch bevorzugt:
- die umherwandernden perkussiven Strukturen (z.B. am Anfang) und das "Brandungsrauschen" (ab 0:57) waren zeitlich feiner aufgelöst
- insbesondere der erste Bassschlag bei 0.25 kam "schneller" und "trockener"

Beim Vergleich ohne/mit Dirac fiel auf, dass der Bassbereich mit Dirac in allen Lebenslagen "aufgeräumter" Klang - hier war der Frequenzgang sowohl des linken als auch des rechten Lautsprechers allein und die Summe beider Lautsprecher weitgehend linear. Bei unserer Abstimmung hatten wir "nur" die Summe der beiden Lautsprecher optimiert und kleinere Abweichungen der einzelnen Lautsprecher in Kauf genommen - hier gibt es offensichtlich noch Potential, das aber "von Hand" kaum zu heben ist, da man dafür die Amplitude und die Phase berücksichtigen muss.

Im Mittel- und Hochtonbereich ergaben sich nur minimale Veränderungen durch Dirac. Die Mittenortung war (wie üblich) noch etwas genauer, dafür fehlte (wie üblich) etwas "Luft" um die Instrumente herum.

Bei der Variante mit FIR-Linearizer war der Unterschied ohne/mit Dirac noch etwas geringer, sie kam etwas näher an die Wirkung von Dirac Live heran.

Eine ausführliche klangliche Beurteilung bei Nutzung der unterschiedlichen Eingänge des ACOUSTAS AC650DSP als reiner Vorverstärker und als Verstärker für eine Passivbox folgt in Teil 3 unserer Artikelreihe. Dort erläutern wir auch welche Teststücke wir verwenden und auf welche Feinheiten wir achten um zu unserem Urteil zu kommen.

 

Fazit:

Mit der Kombination aus dem ACOUSTAS AC650DSP und AirDSP wird die Aktivierung von Lautsprechern zum Kinderspiel:
- für die Ausgangsmessungen ist nur ein individuell kalibriertes (USB-) Mikrofon nötig, die Soundausgabe geschieht direkt über den AC650DSP (USB-Eingang)
- für jeden Zweig (TT, MT und HT) wird der linke (L) und der rechte (R) Lautsprecher jeweils alleine gemessen, zusätzlich noch beide Lautsprecher mit 3 dB geringerem Pegel (LR)
- danach simuliert man den Einfluss der einzelnen Filter und EQs im Generic-EQ in REW (bzw. im AirDSP-EQ ab REW V5.40 beta 134),
- speichert das Ergebnis in eine Textdatei,
- importiert diese im EQ-Bereich von AirDSP,
- setzt ggf. noch die in der Simulation verwendeten Filter,
- passt ggf. (bei unterschiedlichen Zielpegeln) noch die Pegel an
- und misst die einzelnen Zweige und das Gesamtsystem nach

Dank perfekter Abstimmung zwischen REW und AirDSP kann dies schon beim ersten Durchlauf gelingen - siehe unsere Messungen!

Mit dem FIR-Linearizer steht dann ggf. noch ein Tool zur Verfügung um die Sprungantwort des Systems zu optimieren.

Das Ganze kann man zwar im Prinzip genauso mit einem HYPEX FusionAmp machen, aber:
- man braucht zusätzlich eine Soundkarte zur Wiedergabe des Anregungssignals
- die Ergebnisse aus dem Generic-EQ können nicht direkt übernommen werden (die Q-Werte müssen umgerechnet werden und alle Werte müssen von Hand eingetragen werden -> Gefahr von Übertragungsfehlern!)
- die Kommunikation mit 2 Geräten (je ein individueller FusionAmp für den linken und rechten Kanal) ist nicht parallel möglich, sondern es muss ständig das USB-Kabel vom PC zwischen FusionAmp links und FusionAmp rechts umgesteckt werden - das nervt!
- der gesamte Arbeitsablauf ist deutlich "hakeliger" als beim AC650DSP mit AirDSP

Auch bei den HYPEX FusionAmps kann man (ab Firmware-Version 5.5) die FIR-Filter nutzen um die Phase der einzelnen Zweige zu linearisieren - aber die FusionAmps haben nur eine Frequenzauflösung von 93750/1500 = 62.5 Hz und die Erzeugung der FIR-Filter muss man z.B. mit rePhase von Hand machen. Dabei muss man noch das richtige Export-Format in rePhase herausfinden, damit die FIR-Koeffizienten auch vom Hypex Frequency Designer gelesen werden können - ein "flüssiges" Arbeiten sieht anders aus . . .

Ein weiterer Vorteil des AC650DSP ist, dass er insgesamt 10 Kanäle entzerren kann - so sind auch 3-Wege-Systeme mit Double-Bass-Array-Subwoofern möglich. Dass im Bassbereich die Leistung der eingebauten Verstärker beim AC650DSP evtl. nicht ausreicht könnte man als Nachteil bezeichnen, dafür ist aber auch einfach ein beliebiger Verstärker über die zusätzlichen Kanäle einschleifbar, das System ist also flexibler auf sich ggf. ändernde (Leistungs-) Bedürfnisse anpassbar.

Insgesamt hat uns die Kombination aus ACOUSTAS AC650DSP und AirDSP voll überzeugt - nie war es einfacher einen Mehrwege-Lautsprecher zu aktivieren und dabei eine ideale Sprungantwort zu erreichen! Im Vergleich dazu ähnelt die Einmessung mit der Kombination aus HYPEX FusionAmp und dem Frequency Designer einer Strafarbeit . . .

 

Nachwort:

Als wir mit dem Test des ACOUSTAS AC650DSP und AirDSP im August 2026 begannen gab es noch keinen AirDSP-EQ in REW und die Software 1.2.13+37 war an einigen Stellen noch nicht perfekt (z.B. Berücksichtigung der Abtastfrequenz bei der Darstellung des Filterverlaufs). Aber in den letzten Wochen ist - auch durch unsere Anregungen - einiges bei der AirDSP-Software passiert und seit Ende August gibt es auch einen AirDSP-EQ in REW. Hier wird es auch noch weitere Änderungen geben (z.B. automatische Übernahme auch der Filter X1 und X2), damit Sie sich als Nutzer um möglichst wenig kümmern müssen.

Wir haben aber noch den Generic-EQ in REW verwendet und mussten daher zunächst aufwendig prüfen, ob der sich denn so verhält wie die Hardware. Das müssen Sie als Nutzer des AC650DSP nun nicht mehr - wenn Sie mit REW messen und den AirDSP-EQ verwenden. Wir haben dieses Kapitel (Übertragbarkeit von DSP-Einstellungen bei verschiedenen DSP-Systemen) trotzdem beibehalten, weil manche Nutzer ja vielleicht mit einer anderen Software messen oder bei einer anderen Hardware damit kämpfen, dass die Simulation mit dem Generic-EQ nicht mit dem Verhalten ihrer Hardware zusammenpasst. Dann haben Sie einen Anhaltspunkt bei welchen Einstellungen "üblicherweise" etwas schiefgehen kann . . .

Wir hoffen, dass wir Sie mit diesem "Durcheinander" (Generic-EQ statt AirDSP-EQ, unterschiedliches Verhalten bei unterschiedlichen Software-Versionen) nicht allzu sehr verwirrt haben . . .

 

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