Visaton AL200

Von unten heraus...

...nähern wir uns in der Reihe der VISATON Alu-Membranlautsprecher unserem Liebling AL130M (TRIO ) Das größte Aluchassis im Programm des Haaner Spezialisten VISATON ist der AL200. Der als High-End-Tieftöner beworbene Wandler kommt mit so edlen Zutaten wie einem Kapton Schwingspulenträger und hinterlüfteter Schwingspule um den mechanischen Verlusten möglichst ein Schnippchen zu schlagen.

Ob ihm das gelingt und er halten kann was VISATON auf der Homepage verspricht lesen unsere Abonnenten im

Chassistest Visaton AL200 


 

 

 

Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller: VISATON Typ: AL 200, 8 Ohm Datenblatt des Herstellers

Foto des Chassis
 


 

 

Membranfläche: Außendurchmesser:
Innendurchmesser:
Plugdurchmesser:
-> Membranfläche Sd:
178 mm
151 mm
0 mm
212.5 cm²
TSP aus Messung
mit Zusatzmasse
(Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis, Anregung -12 dB):
Resonanzfrequenz Fs
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qms
Elektrische Güte Qes
Gesamtgüte Qts
Effektive bewegte Masse Mms
Äquiv. Luftvolumen Vas
Kraftfaktor BL
Wirkungsgrad Eta (1m, Halbraum)
39.45 Hz (+/-1.4%)
6.57 Ohm (+/-0.0%)
5.707 (+/-7.7%)
0.446 (+/-3.7%)
0.413 (+/-2.7%)
26.75 gr (+/-2.8%)
39.01 dm³ (+/-5.7%)
9.89 N/A (+/-0.3%)
90.07 dB (+/-0.22)

Pseudorauschen > 200 Hz (0°, 15°, 30°, 45°, 60°; MP3 42 kB)

 


Sprungantwort (Chassis 1, 20 cm, 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 1, 20 cm, 0°)

 


Klirrfaktor bei 85 bis 95dB/1m (Halbraum)

 


 

Kompletter Datensatz beider Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei, ZIP, 61 kB)
Hinweis: Beide Chassis sind 4 Stunden eingebrummt!


Unsere Meinung:
  • Der äußere Eindruck:
    Der AL200 macht auf Understatement. Von vorne sieht er mit seiner eloxierten Alumembrane sehr dezent aus. Von hinten fällt der filigrane und doch solide Druckgusskorb auf. Für eine 38 mm durchmessende Schwingspule ist der 120 mm durchmessende und 20 mm hohe Ferritring wohl proportioniert. Als Be- bzw. Entlüftungsmaßnahmen gibt es eine 15 mm durchmessende Polkernbohrung sowie Schlitze unterhalb der Zentrierspinne.

     

     

  • Die TSP:
    Die gemessenen TSPs weichen relativ stark von den Herstellerangaben (in Klammern) ab. Allerdings sind die TSPs auch sehr pegelabhängig, wie das oberste Diagramm zeigt. Immerhin erhält man selbst bei der +6 dB-Messung noch eine "saubere" Messkurve, der Hub ist also in weiten Bereichen linear. Das hatte auch schon die Wickelhöhe von 20 mm bei 6 mm Luftspalthöhe versprochen. Damit ergibt sich näherungsweise ein linearer Hub von +/- 7 mm.

     

    TS-Parameter Einheit HiFi-Selbstbau VISATON Abweichung
    Resonanzfrequenz Fs
    Gesamtgüte Qts
    Effektive bewegte Masse Mms
    Äquiv. Luftvolumen Vas
    Wirkungsgrad Eta (1m, Halbraum)
    [Hz]
    [-]
    [gr]
    [dm³]
    [dB/W/m]
    39.45
    0.413
    26.75
    39.01
    90.07
    32
    0.35
    21
    77
    88
    +23.2%
    +18.0%
    +27.4%
    -49.3%
    -2.07 dB

     

    Eine Resonanzfrequenz von 39.5 Hz verbunden mut einer Gesamtgüte von 0.41 versprechen im Bassreflexgehäuse eine untere Grenzfrequenz von knapp 40 Hz. Das Volumen beträgt akzeptable 40 l, die Abstimmfrequenz liegt bei praxisgerechten 38 Hz. Würde man ein Chassis mit den VISATON-TSPs in dasselbe Gehäuse einbauen ergäbe sich fast derselbe Frequenzgang. Allerdings hätte das Chassis einen höheren Wirkungsgrad, obwohl VISATON einen niedrigeren Wirkungsgrad angibt -> da passt was nicht zusammen:

    Geschlossen ist ohne Entzerrung kein echter Tiefgang zu erwarten. Hier "rächt" sich der relativ hohe Wirkungsgrad von 90 dB/2.83V/m.
    Die Streuung der TSPs ist noch gering
    Im Impedanzverlauf deuten sich Membranresonanzen bei 1000 und von 3500 bis 5000 Hz an, die sich - wie üblich - allesamt im Frequenzgang wiederfinden.

     

  • Der Frequenzgang:
    Abgesehen von kleineren Welligkeiten ist der Frequenzgang bis knapp 1 kHz fast perfekt. Dann kommt ein schmalbandiger Einbruch (übliche Vermutung: Sicke und Membranrand schwingen gegenphasig), und dann geht es bis 3 kHz fast schnurgerade weiter. Auch von der Seite misst sich er AL200 sehr gut. Bis knapp 1 kHz ist "Bündelung" ein Fremdwort für ihn, erst oberhalb des Einbruchs fängt er an zu bündeln und das auch noch sehr gleichmäßig.
    Zwischen 3 und 5 kHz toben sich die Membranresonanzen aus, bevor dann ab 6 kHz der kontrollierte Rückzug angetreten wird. Alles in allem also ein recht zivilisiertes Verhalten für eine Metallmembran.Im Zerfallspektrum kann er seine Materialherkunft aber dennoch nicht verleugnen. Hier schwingen die beiden Hauptresonanzen (3500 und 4700 Hz) lange nach, und auch der Einbruch um 1100 Hz zeigt ein leicht verzögertes Ausschwingen.
    Beide Chassis verhalten sich auf Achse selbst im Bereicht der Membranresonanzen fast identisch - Hut ab! Selbst wenn mal alle gemessenen Winkel gewichtet ist die Abweichung sehr gering. Das zeugt von einer guten Fertigungskonstanz.

     

  • Der Klirrfaktor:
    Der "harmonische" Klirrfaktor K2 verläuft fast über den gesamten Frequenzbereich linear und ist stark vom Anregungspegel abhängig. Demgegenüber zeigt sich der "unharmonische" K3 (und K5) weitgehend unbeeindruckt vom Anregungspegel. Wegen dem ausgeprägten K3-Plateau von 1 bis 2 kHz ist der AL200 vor allem für 3-Wege-Systeme geeignet, wobei er bis 800 Hz fast perfekt aufspielt und so einer der wenigen Bässe ist, die mit Mitteltonkalotten kombiniert werden kann.
    Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 85 / 90 / 95 dB liegt K2 im Frequenzbereich von 50 bis 800 Hz im Mittel bei 0.35 / 0.71 / 1.38%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von 0.17 / 0.20 / 0.23%.

     

  • Die Pegellinearität:
    Unter 100 Hz erhöht sich der Schalldruck pro zugeführtem dB um mehr als erwartet, bis 150 Hz dafür um so weniger. Hier spiegelt sich wider, dass sich die Impedanz (und damit die TSPs) stark mit dem Anregungspegel verändern. Oberhalb von 300 Hz nimmt die Pegelnichtlinearität zu hohen Frequenzen zu (pegelabhängige Schwingspuleninduktivität).
    Vergleicht man das Ergebnis mit dem DAYTON RS225S8 so scheint der AL200 schlechter zu sein. Da der AL200 aber ein knapp 3 dB höheren Wirkungsgrad hat wird er bei gleicher Eingangsspannung 3 dB mehr in die Nichtlinearität getrieben. Bei gleicher Maximallautstärke würden beide Chassis etwa gleichauf liegen.

     


HiFi-Selbstbau-Fazit:


Der VISATON AL 200 ist ein grundsolides, hervorragend verarbeitetes Tieftonchassis. In einem moderaten 40 l Bassreflexgehäuse geht er bis 40 Hz hinunter. Mit 90 dB Wirkungsgrad, 7 mm linearem Hub und 120 Watt Nennbelastbarkeit bringt er ideale Gene für tiefe Frequenzen und hohe Pegel mit.

Dank seines linearen Frequenzgangs und des bis 800 Hz geringen Klirrfaktors ist der VISATON AL200 ideal für 3-Wege-Kombinationen mit 50mm Mitteltonkalotten oder Mitteltonmagnetostaten geeignet. Mit einem UVP von 145 € ist er zwar kein Schnäppchen, in Anbetracht des Gebotenen aber immer noch preiswert.

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