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Neue AMT-Serie von MUNDORF

Seit mehr als 15 Jahren baut MUNDORF AMT-Hochtöner (s. Übersicht) - nicht nur für den HiFi-Bereich (hifiAMT), sondern vor allem auch für den PA-Bereich (proAMT). Mittlerweile gibt es im HiFi-Bereich sehr viele "Marktbegleiter" für AMT-Hochtöner, daher hat MUNDORF eine neue Serie aufgelegt, die (bei konstanter Folienbreite) in weiten Bereichen skalierbar ist (Folienhöhe 40, 60, 80, 110 und 160 mm) und so viele Anwendungsbereiche im HiFi- und Studiobereich abdecken kann. Als "Nebeneffekt" können die Entwicklung und Fertigung der 5 Modelle effizienter erfolgen:

 

Modellbezeichnung AMT U40W1.2 AMT U60W1.1 AMT U80W1.1 AMT U110W1.1 AMT U160W1.1
Nennimpedanz 4 Ohm 4 Ohm 4 Ohm 6 Ohm 4 Ohm
Empfindlichkeit 92 [dB/2.83V/m] 93 [dB/2.83V/m] 94 [dB/2.83V/m] 93 [dB/2.83V/m] 93 [dB/2.83V/m]
Einsatzbereich (HP 12 dB/Okt) 3.5 - 39 kHz 2.2 - 34 kHz 2.0 - 31 kHz 1.8 - 27 kHz 1.5 - 27 kHz
Einsatzbereich (HP 6 dB/Okt) 5.0 - 39 kHz 3.3 - 34 kHz 3.0 - 31 kHz 2.7 - 27 kHz 2.3 - 27 kHz
UVP (ohne Frontblende)   189.90 € 229.90 € 264.90 € 314.90 €
UVP (mit Frontblende) 179.90 € 209.90 € 249.90 € 294.90 € 349.90 €

Die Entwicklungsziele und deren Umsetzung werden schön auf der MUNDORF-Seite HIFIAMT U.SERIE erläutert. Messergebnisse gibt es im Bereich Downloads für Hifi/Studio (Direktlink AMT U.Serie Gesamtkatalog).

Uns liegen alle Modelle (außer dem U160W1.1) vor. Wir fangen mal mit dem U110W1.1 an und untersuchen auch den Einfluss der optional erhältlichen, "schickeren" Frontblende. Unser ausführliches Datenblatt klärt, was er kann und wie er am besten eingesetzt werden sollte . . .

 

Chassis-Datenblatt © www.hifi-selbstbau.de
So werden Lautsprecherchassis von HiFi-Selbstbau gemessen
Hersteller: MUNDORF Typ: AMT U110W1.1, 6 Ohm Datenblatt des Herstellers mit/ohne Frontblende

Foto des Chassis

 

 


Der äußere Eindruck:

Der MUNDORF AMT U110W1.1 sieht - wie die gesamte U.Serie - ohne optionale Frontblende sehr schlicht aus, fast schon spartanisch: das kleinste Modell U40W1.1 (Frontplatte B=55mm, H=55mm) ist dann kaum vom HARDWOOD AM20 zu unterscheiden - der sogar etwas größer ist (Frontplatte B=73mm, H=65mm) und aktuell knapp 40 € kostet (s. hifisound).

 


Ästheten ist daher anzuraten die optionalen Frontblenden zusätzlich zu erwerben - das mattschwarz eingelaserte MUNDORF-Logo sieht wirklich edel aus.
Aber Aussehen ist ja nicht alles, und "hinter der Motorhaube" dürfte die U-Serie ausgeschlafener gebaut sein. Beim U40W1.1 ist die Bautiefe (ohne Lötösen) z.B. 28.4 mm - der AM20 ist nur 16.5 mm tief. Wie jede Membran strahlt auch eine AMT-Membran nicht nur nach vorne, sondern auch nach hinten in das abgeschlossene Volumen ab. Diese nach hinten abgestrahlte Luftschallenergie gilt es möglichst vollständig zu absorbieren, damit sie nicht auf die Membran zurückreflektiert wird - und da zählt jeder Millimeter mehr Bautiefe . . .
Der Anschluss sollte mit Kabelschuhen erfolgen - AMTs mögen es nicht, wenn man auf den Anschlüssen "rumbrät" . . .

 


Die TSP:

Membranfläche: ca. 2.0 * 10.9 cm = 21.8 cm² (gefaltet)
TSPs (Mittelwert und Streuung
von 2 Chassis. Anregung -12 dB):
Resonanzfrequenz Fs
DC-Widerstand Rdc
Mechanische Güte Qms
Elektrische Güte Qes
Gesamtgüte Qts
Wirkungsgrad Eta (1m, 2.83V, Halbraum)
nicht analysierbar
5.22 Ohm (+/-0.5%)
nicht analysierbar
nicht analysierbar
nicht analysierbar
93.28 dB (+/-0.19)





 

 

 

Nur bei maximaler Anregung (+ 6dB, Spitzenspannung Vpeak = 12 Volt, energetischer Mittelwert Vrms = 2.5 Volt) steigt die Impedanz an - die Wärmeaufnahmefähigkeit der AMT-Antriebseinheit ist halt endlich . . .
Der relativ hohe Spannungswirkungsgrad von 93.28 dB/2.83V/m (Mittelwert 2.0 bis 12.5 kHz) entspricht bei einem Gleichstromwiderstand von 5.22 Ohm einem Wert von 89.58 dB/W/m. Die Chassis wurden vorher 12 Stunden eingerauscht.

 


Der Frequenzgang:

. . . zeigt auf Achse ein ansteigendes Verhalten von 2 kHz (90 dB) bis 14 kHz (95 dB): eigentlich gibt es 2 Plateaus (91 dB von 1.6 bis 3.5 kHz) und 95 dB (von 6 bis 14 kHz). Dieser Frequenzgang wäre in einem sehr stark bedämpften Hörraum relevant - wenn der Hochtöner auf den Kopf zielt.
Da die Bündelung in vertikaler Richtung bereits ab 3.5 kHz deutlich zunimmt ist der über alle Raumwinkel gemittelte Frequenzgang (quasi der Energiefrequenzgang) zwischen 1.6 und 14 kHz weitgehend linear. Dieser Frequenzgang wäre in einem sehr halligen Hörraum relevant.
Die Bündelung setzt horizontal ab ca. 4.5 kHz ein, bleibt aber selbst unter 60° bis 16 kHz bei Werten oberhalb von 8 dB -> der U110W1.1 erreicht wegen der nur 2 cm breiten Membran ein gutes horizontales Rundstrahlverhalten. Vertikal setzt die Bündelung schon bei 1.25 kHz ein, nimmt aber erst oberhalb von 3 kHz bei 45° und 60° stark zu.

Die Streuung der beiden Chassis ist > 1 kHz gering.

Pseudorauschen > 1000 Hz (0°. 15°. 30°. 45°. 60°; MP3 42 kB)

Pseudorauschen > 1000 Hz (0°. 15°. 30°. 45°. 60°; MP3 42 kB)

Die optionale Frontblende erhöht insbesondere den Schalldruck auf Achse um bis zu 1 dB bei 6 kHz. Wenn man über alle Raumwinkel mittelt verhalten sich beide "Frontblenden" aber weitgehend gleich.

 


Sprungantwort/Pegellinearität:

Die Sprungantwort zeigt einen weitgehend idealen Verlauf mit nur geringen Störungen:

  • schneller Anstieg (das Maximum wird nach ca. 3.5 Abtastwerten bei 88200 Hz Abtastfrequenz erreicht -> die obere Grenzfrequenz beträgt ca. 88.2/3.5 = 25 kHz. Das ist für die 110 mm lange AMT-Membran beachtlich hoch
  • relativ schneller Abfall mit Unterschwingen wegen relativ hoher unterer Grenzfrequenz von 1.6 kHz

Im periodenskalierten Zerfallspektrum ist ein leicht verzögertes Ausschwingen um 13 kHz erkennbar - hier kommt es auch beim Frequenzgang auf Achse und beim Energiefrequenzgang zu einer leichten Überhöhung. Das ist aber Meckern auf höchstem Niveau . . .
im Zerfallspektrum mit absoluter Zeitachse [ms] schwingt auch die Grundresonanz um 1.8 kHz länger aus. Skaliert man die Zeitachse (fairerweise) in Schwingungsperioden (unteres "buntes" Zerfallspektrum) sieht das gar nicht mehr so wild aus . . .

Sprungantwort (Chassis 1, 48 cm. 0°)

Zerfallspektrum (Chassis 1, 48 cm. 0°)


Die Pegellinearität:

Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 88 bis 108 dB in 1 m Abstand (das entspricht einer Eingangsleistung von 0.45 bis 45 Watt) sind bei Hochpass-Filterung (elektrisch 1.5 kHz, BW 12 dB/Oktave -> akustisch ca. 1.8 kHz/BW 24 dB/Oktave) erst ab 108 dB breitbandig Linearitätsfehler > 0.5 dB erkennbar: dies dürfte bereits thermische Kompression sein. Um 1.8 kHz (Resonanzfrequenz) und um 12 kHz (diese beiden Störstellen kennen wir bereits aus dem Zerfallspektrum) ist die Dynamikkompression etwas höher - eine elektrische Trennfrequenz von 2 kHz dürfte dies entschärfen. Beide Chassis zeigen fast identisches Verhalten, ein weiterer Hinweis auf eine geringe Serienstreuung.

 


Der Klirrfaktor (Podest):

Die Klirrkomponente K2 verläuft > 1.3 kHz weitgehend linear und steigt moderat mit dem Anregungspegel. Der unharmonische K3 verläuft oberhalb von 2 kHz weitgehend linear und steigt kaum mit dem Anregungspegel: das gilt auch für die höheren Klirrkomponenten K4 bis K8. Unterhalb von 2 kHz steigt K3 deutlich an, bei den höheren Klirrkomponenten ist dies unterhalb von 1.3 kHz der Fall.

Bei einem mittleren Schalldruckpegel von 80 / 85 / 90 / 95 / 100 / 105 dB liegt K2 oberhalb von 2000 Hz im Mittel bei geringen 0.176 / 0.249 / 0.378 / 0.573 / 0.812 / 1.018%. Für K3 gilt in diesem Bereich ein Mittelwert von extrem geringen 0.039 / 0.036 / 0.037 / 0.039 / 0.047 / 0.075%. Auch bei 105 dB mittlerem Schalldruckpegel (das entspricht einem Anregungspegel von 15.4 Volt an 5.22 Ohm = 45 Watt) explodiert der Klirrfaktor noch nicht. In den Spektrogrammen ist aber deutlich die thermische Kompression während der 12 Sekunden langen Messung erkennbar (bei jeder Pegelerhöhung von 5 dB wird der Mikrofonverstärker um 5 dB zurückgenommen -> im Idealfall sollten alle Spektrogramme im oberen Teil (Zeitsignal) gleich aussehen).
Beide Chassis verhalten sich weitgehend ähnlich.

Nach unseren Untersuchungen (Klirrfaktor - wie viel ist zu viel?) wären K2 bis K7 im untersuchten Pegel- und Frequenzbereich oberhalb von 1679 Hz unhörbar (kritisch ist hier vor allem K3).

Klirrfaktor bei 80 bis 105dB/1m (Halbraum, 48cm)

 


HiFi-Selbstbau-Fazit:

Der MUNDORF AMT U110W1.1 schlägt sich in unserer Folterkammer in allen Disziplinen sehr gut. In Punkto Klirrfaktor und Pegellinearität legt der AMT U110W1.1 die Messlatte extrem hoch - das ist natürlich auch die Domäne von so gut gemachten AMTs. Der Frequenzgang steigt auf Achse oberhalb von 3.5 kHz kontinuierlich leicht an, dies kann man entweder durch eine geringere Einwinkelung (z.B. Aufstellung parallel zur Wand) oder einen Sperrkreis kompensieren.

Dieses tolle Ergebnis, des in Deutschland produzierten Hochtöners, hat aber auch seinen Preis: mit 265 € UVP (295 € mit der aus ästhetischen Gründen unbedingt zu empfehlenden, schickeren Frontblende) ist der AMT U110W1.1 nicht gerade ein Schnäppchen: also für eine kleine "Billich-Willich" Regalbox ist das nichts - aber wer fährt mit einem Rennwagen zum Brötchenholen ? . . .

Wenn aber sein hoher Spannungswirkungsgrad und der hohe, unkomprimierte Maximalpegel von 108 dB schon ab 2 kHz gebraucht wird - dann sind auch die "Marktbegleiter" nicht für 50 € zu haben.

 

Tipp: Flankiert von zwei entsprechenden 4" (Tief-) Mitteltönern, ergibt sich im horizontalen Rundstrahlverhalten ein nahezu perfekter Übergang.

 

Kompletter Datensatz von 2 Chassis (Impedanz, Schalldruck, Bündelungsgrad und Schallleistung im OCT-Format, Klirrfaktor und komplexer Frequenzgang als TXT-Datei. ZIP, 77 kB)